Ratgeber

Apotheke vor Ort oder Versand: Was sich unterscheidet

Ob Sie ein Arzneimittel in der Apotheke um die Ecke holen oder liefern lassen: Rechtlich ist es in Deutschland in beiden Fällen eine Apotheke. Diese Seite stellt die Unterschiede neutral nebeneinander. Grundlagen sind das Apothekengesetz (ApoG), die Apothekenbetriebsordnung (ApBetrO) und das SGB V, abgerufen am 27. Oktober 2026 auf gesetze-im-internet.de, sowie eine Übersicht der Verbraucherzentrale (Stand 5. Februar 2024). Die Angaben sind allgemeine Information, keine Rechtsberatung.

Stand Oktober 20263 Min. Lesezeit
Apothekerin berät eine Kundin am Verkaufstresen

Was beide gemeinsam haben

Eine deutsche Versandapotheke ist immer auch eine Apotheke vor Ort. Die Versanderlaubnis erhält nach § 11a ApoG nur, wer eine Apothekenerlaubnis hat, und der Versand läuft zusätzlich zum üblichen Betrieb. In beiden Fällen beraten Apothekerinnen und Apotheker oder anderes pharmazeutisches Personal.

Für verordnete Arzneimittel, die die Krankenkasse übernimmt, gelten einheitliche Preise. Nach § 129 Abs. 3 Satz 3 SGB V dürfen Apotheken, für die der Rahmenvertrag gilt, Versicherten dabei keine Zuwendungen gewähren. Laut Verbraucherzentrale gilt das auch für Versandapotheken aus anderen EU-Staaten.

Die Unterschiede im Überblick

Punkt Apotheke vor Ort Versand
Erlaubnis Apothekenerlaubnis zusätzlich Versanderlaubnis nach § 11a ApoG
Zeit bis zum Arzneimittel sofort, wenn vorrätig Versand innerhalb von zwei Arbeitstagen nach § 11a Nr. 3a ApoG, dazu die Zustellzeit
Beratung persönlich in der Apotheke per Telefon, kostenlos nach § 17 Abs. 2a ApBetrO
Nachts und am Wochenende Dienstbereitschaft nach § 23 ApBetrO, Befreiung einzelner Apotheken möglich Versandfrist zählt nach Arbeitstagen (§ 11a Nr. 3a ApoG)
Zustellung Botendienst möglich nach § 17 Abs. 2 ApBetrO Paketversand mit Sendungsverfolgung

Nach § 23 Abs. 1 ApBetrO sind Apotheken grundsätzlich ständig dienstbereit. Die Behörde kann einen Teil der Apotheken zu bestimmten Zeiten davon befreien, etwa nachts, sonntags und an Feiertagen.

Lieferung auch von der Apotheke vor Ort

Auch ohne Versanderlaubnis dürfen Apotheken Arzneimittel durch eigene Boten zustellen (§ 17 Abs. 2 ApBetrO). Lag ein Rezept vorher nicht vor oder fand keine Beratung statt, muss pharmazeutisches Personal zustellen und spätestens bei der Übergabe beraten, auch per Telefon.

Vor- und Nachteile laut Verbraucherzentrale

Die Verbraucherzentrale nennt für Versandapotheken:

  • Vorteile: bei vielen frei verkäuflichen Mitteln günstigere Preise, bequeme Bestellung mit Lieferung nach Hause.
  • Nachteile: keine akute Versorgung wegen mehrtägiger Lieferzeit, Versandkosten können eine Ersparnis aufheben, Beratung per Telefon oder E-Mail nicht immer sofort erreichbar, Unsicherheit über die Seriosität.

Wir nennen keine Preise und keine einzelnen Anbieter. Preise und Versandkosten ändern sich laufend.

Wann der Versand nicht möglich ist

Nach § 17 Abs. 2a ApBetrO ist der Versand unzulässig, wenn ein Beratungsbedarf besteht, der nur persönlich durch einen Apotheker gedeckt werden kann. § 17 Abs. 2b ApBetrO schließt einzelne Wirkstoffe ganz vom Versand aus. Wer bestellen möchte, prüft die Apotheke vorher, siehe Seriosität prüfen. Den Ablauf einer Bestellung beschreibt Online-Apotheke, die Rechtsgrundlagen Versandapotheke.

Diese Seite ersetzt keine Beratung in Apotheke oder Arztpraxis.

Häufige Fragen

Kostet ein Kassenrezept in der Versandapotheke weniger?

Für verordnete Kassenleistungen gelten einheitliche Preise, Boni sind nach § 129 Abs. 3 Satz 3 SGB V nicht erlaubt. Die gesetzliche Zuzahlung bleibt gleich.

Darf auch eine Apotheke vor Ort liefern?

Ja, per Botendienst nach § 17 Abs. 2 ApBetrO, auch ohne Versanderlaubnis.

Wo bekomme ich nachts ein Arzneimittel?

Bei einer dienstbereiten Apotheke vor Ort. Nach § 23 ApBetrO regeln die Behörden, welche Apotheken zu diesen Zeiten geöffnet haben.

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